In post we trust - Teil 2

Vor einigen Tagen habe ich mit voller Absicht ein technisch gesehen furchtbares Bild der farbenfrohen Häuser in Innsbruck / Österreich gemacht. Die Häuser liegen direkt am Inn, gegenüber der Altstadt in den Stadtteilen Mariahilf / Höttinger Au. Bereits bei der Aufnahme habe ich mich voll auf die Möglichkeiten der modernen Nachbearbeitung von RAW-Dateien verlassen. Hier ist das originale RAW-Foto meiner Nikon Z7 mit dem wunderbaren Nikkor Z 14-30/4 S, ohne jegliche Nachbearbeitung:

GZ7_5960_C1.jpg

Furchtbar, nicht wahr? Zurück zu Hause und nach einiger Arbeit in Capture One und Affinity Photo erhielt ich schliesslich dieses schöne Bild der wunderschönen Stadtansicht:

GZ7_5960_C1.jpeg

Aber warum habe das so gemacht? Nun ja, wenn man zu den Häusern hinüber schaut, dann blickt man nach Nordwesten. Das heisst, die Fassaden werden um die Mittagszeit direkt von der Sonne beschienen. Zu dieser Zeit ist das Licht jedoch hart und verflacht das Bild. Ich wollte jedoch indirektes, gestreutes Licht, etwas weich und warm, um die Stimmung in der Stadt an einem Spätnachmittag im September wiederzugeben. Daher musste ich das Bild um diese Zeit machen, während die Sonne von links aussen im Winkel von etwa 60 bis 70 Grad in das Objektiv schien. Gleichzeitig erleuchtete sie jedoch noch immer die Wolken und den Himmel ziemlich hell. Daher habe ich das Foto sehr stark unterbelichtet, um die Lichter in den Wolken nicht auszubrennen, mit der festen Absicht die Unterbelichtung in der Nachbearbeitung zu beheben.

Das habe ich in schliesslich Capture One gemacht:

  • Perspektive korrigiert, um die vertikalen Linien zu begradigen (stürzende Linien)

  • Beschnitt auf 16:9 und Anpassung an den Goldenen Schnitt

  • Globale Anhebung der Schatten um 90% und der Tiefen um 10% (ohne Veränderung der Belichtung)

  • Globale Anpassungen der Helligkeit und der Farben

  • Etwas Finetuning der Luma-Kurve

  • Lokale Abdunklungen des Flusses und des Himmels, Aufhellung des Flussufers

  • Einige lokale Anpassungen an den Häusern

Und hier ist das Ergebnis:

GZ7_5960_C1 1.jpg

Erkennst Du den Unterschied zum finalen Bild? Ist der Vordergrund nicht ein bisschen langweilig?

Um ihm ein bisschen mehr “pop” zu verleihen, habe ich in Affinity Photo etwas geschummelt und die Reflexionen auf dem Wasser ergänzt. Damit es natürlich aussieht, habe ich die Deckkraft der gespiegelten Ebene angepasst sowie Bewegungsunschärfe und Gauss’sche Unschärfe angewendet.

Ist das legitim?

Hm, schwer zu sagen, aber es ist ein wunderschönes Bild, dass meiner ursprünglichen Idee entspricht. Und nebenbei bemerkt sind die Reserven in den RAW-Dateien der Nikon Z7 wirklich beeindruckend!

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